Die diesjährigen Proteste gegen den WKR-Ball können wohl kaum als erfolgreich bezeichnet werden, hingegen gelang bei nicht unähnlichen Voraussetzungen in Dresden die Blockade der Nazi-Versammlung. Gemeinsam war beiden AntiFa-Mobilisierungen freilich, dass sie es mit der geballten Repression des Staatsapparates zu tun hatten!

Bei einer anderen Mobilisierung letztes Wochenende hatten die staatlichen Repressalien leider Erfolg: Kurz vor der AntiAbschiebungs-Demo “Melitus muss bleiben” am 18. in Linz wurde bekannt, dass der betroffene Flüchtling “freiwillig” unterschrieben hatte nach Nigeria zurückzukehren. (Event der Demo: http://facebook.com/event.php?eid=188281014537254)

Gegen FaschistInnen agiert der Rechts-Staat naturgemäß eher gar nicht. So offenbarte der Polizist Uwe Sailer, dass gerade in OÖ bewusst nichts gegen Neonazis unternommen wird:
http://derstandard.at/1297818685473/STANDARD-Interview-Man-kann-diese-Leute-dingfest-machen
(Zur Sache selbst sei verraten, dass es eigentlich viel schlimmer ist als im Standard zu lesen. Diese ARD-Reportage ließe sich 1:1 auf Österreich übertragen: https://www.youtube.com/watch?v=Vy0VLy9jRoU)

Da sind die Appelle vom Umfeld des oö. Antifa-Netzwerks (SPÖ, Grüne, ÖGB, Kirchen, Mauthausen Komitee…) man möge gegen die NVP und die Welser “Bunten” endlich Anklage erheben, natürlich löblich – wirklich ändern werden sie freilich wohl kaum etwas:
http://derstandard.at/1297818514666/Wiederbetaetigung-Unertraegliche-Laxheit-der-Strafjustiz

Stattdessen sollten wir lernen wie AntiFaschismus GEGEN den Staat durchgesetzt werden kann. So war es ursprünglich geplant auf welsgegenrechts.at mitzumobilisieren nach Dresden – Da die Busse von Wien aus aber sowieso überfüllt waren, jetzt die Lehren aus der Blockade:

Dresden zeigt es Wien vor!
Zwar gibt es in Österreich keinen fixen jährlichen Nazi-Aufmarsch, dafür treffen sich Europas Rechtsextreme beim WKR-Ball zum Feiern im Gebäude des Staatsoberhauptes, eine mindestens genauso fatale Symbolik, die eine ebenso große Mobilisierung ermöglichen würde.
Aber während in Dresden die Demonstranten durch ihre schiere Masse die Polizeitaktik des Verbieten, Einkesseln und Niederknüppeln umgehen konnten, lieferten sich in Wien wenige Hundert ein wirkungsloses Katz-und-Maus-Spiel. Zum antinationalen NoWKR-Bündnis meinte ein Demonstrant im Nachhinein sinngemäß: “Ein Bündnis gab es eigentlich nicht, sondern nur ein paar Einzelne, die bis einen Tag vor der Demo die restliche Linke einfach nur vollendete Tatsachen gestellt haben. Das Verhalten der Polizei ist ein Fakt über das man sich ewig ärgern kann, aber was die AntiFa macht kann man ändern.”

Im Gegensatz dazu ist die zentrale Erkenntnis in Dresden, dass man es mit einem breiten Aktionskonsens schafft, Nazis wie Polizei “Schach matt” zu setzen:
“Wir leisten zivilen Ungehorsam gegen den Naziaufmarsch.
Von uns geht dabei keine Eskalation aus.
Unsere Massenblockaden sind Menschenblockaden.
Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, den Naziaufmarsch zu verhindern.”
http://www.dresden-nazifrei.com/images/stories/material/dresden-nazifrei-prsentation.pdf

Medienberichte:
Blockadeerfolg: http://www.spiegel.de/video/video-1110355.html
(Für alle Welser: Auf Sekunde 28 sind hier übrigens ein paar alte Bekannte zusehen!)
Polizei attackiert statt Nazis das antifaschistische Bündnis:
http://www.spiegel.de/video/video-1110518.html
http://taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/dresden-nazifrei-im-visier-des-lka/

Weiteres von einer Gruppe, die sich in Wels einmal unbeliebt machte, aber sei es drum:
Ein breites Bündnis gegen den WKR-Ball 2012!
Kleinere Demonstrationen der „Üblichen Verdächtigen“ führen – das haben wir auch schon in den letzten zwei Jahren bitter gespürt – zu keinem nennenswerten Erfolg. Sie werden verboten, kriminalisiert und in den Medien diffamiert. Erfolgreiche Blockaden wurden stets durch breite Bündnisse wie „Dresden stellt sich quer“ organisiert.
Wer soll Teil dieses Bündnisses sein?
Wir setzen uns für ein Bündnis ein, das alle miteinschließt, die von der rechten Gefahr bedroht sind: MigrantInnen, Linke und die organisierte ArbeiterInnenbewegung. GewerkschafterInnen, MigrantInnenorganisationen und KZ-Opferverbände müssen ebenso teilnehmen wie verschiedene linke Organisationen. In vielen dieser Organisationen gibt es Menschen, die letztes Jahr und heuer auf den Demos sind, noch mehr, die erschüttert sind über diese Politik. Wir müssen jetzt Druck auf und in diesen Organisationen – insbesondere den Gewerkschaften – aufbauen, damit ihre Aktivitäten 2012 über schöne Worte hinausgehen. Wir brauchen ein demokratisches Bündnis, in dem nicht einige Wenige Fakten setzen, die dann alle ausbaden müssen, sondern wo demokratisch über Ziele und Taktik der Aktionen diskutiert und entschieden wird.
Politische Kampagne statt „Dezentrale Aktion“!
Nach dem WKR-Desaster 2010 erreichte eine Facebook-Gruppe, die ein Volksbegehren gegen den WKR-Ball 2011 forderte, in wenigen Tagen ein paar tausend UnterstützerInnen und große mediale Aufmerksamkeit. Natürlich bringt so ein Web-Protest nicht besonders viel, aber es zeigt das Potential für eine solche Kampagne. Es wird nicht reichen, Unterschriften zu sammeln, aber es kann ein Teil einer breit angelegten politischen Kampagne sein. Ziel ist es, dass die Rechten sich überhaupt nicht in der Hofburg oder sonstwo treffen können. Ziel ist es auch, eine Demonstration zu organisieren, die so groß ist, dass sie – selbst wenn sie verboten werden sollte – nicht von der Polizei gestoppt werden kann. Ziel ist es, dass PolitikerInnen von SPÖ und Grünen so unter Druck geraten, dass sie Teil einer Bewegung gegen den WKR-Ball 2012 werden. Eine rot-grüne Stadtregierung hat Möglichkeiten, das rechte Treffen zu verhindern. Doch bisher hat sie NICHTS getan. Unser Ziel muss es auch sein, einen solchen öffentlichen Druck und Druck in den Organisationen aufzubauen, dass diese Stadtregierung endlich aktiv etwas tut um dieses Treffen zu verhindern.
Ziel ist es auch, für 2012 eine europaweite antifaschistische Mobilisierung zu organisieren. Nicht ein paar individuell angereiste DemonstrantInnen, sondern ein europaweiter Aufruf durch die beteiligten Organisationen ist hierzu notwendig.
All das ist viel zu tun – fangen wir JETZT an, damit sie heuer das letzte Mal getanzt haben!”