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Neonazis posieren vor Hitler-Geburtshaus – Kommunistische Jugend und Infoladen Wels dokumentieren rechtsextreme Vorfälle – „Dringendster Handlungsbedarf gegeben!“ – Antifaschistische Demonstration am 14. April
Frecher denn je treten jugendliche Neonazis in Braunau auf: Skinheads posieren vor dem Hitler-Geburtshaus für Erinnerungsfotos, Hakenkreuze werden gleich reihenweise tätowiert, SS-Symbole offen gezeigt, AntifaschistInnen mit Mord bedroht. „Die Situation ist nicht mehr tragbar“, so Lukas Haslwanter, Sprecher der Kommunistischen Jugend aus Braunau.
Der Linzer Rechtsextremismus-Experte Thomas Rammerstorfer bestätigt: „Braunau ist zur Hochburg einer neonazistischen Jugendkultur geworden. So schlimm ist es wohl sonst nirgends in Österreich, das wird ihnen auch jeder Jugendarbeiter dort bestätigen“. Die Neonazis sind in verschiedenen Kameradschaften organisiert wie dem „Sturmführerkommando“ (Sfk).
Erkennungszeichen: Alle Aktivisten haben Hakenkreuze tätowiert. Die Tatoos werden vom Braunauer Christoph B. angefertigt.
(Bild: Facebook-Namen der Neonazis des “Sturmführerkommando”)
Eine weitere Kameradschaft sind die „Autonomen Nationalisten Braunau“, die auch einen Blog betreiben. Treffpunkt der Szene ist auch der örtliche „Thorshop“ am Kirchenplatz, in dem die unter Rechtsextremen beliebte Kleidungsmarke „Thor Steinar“ vertrieben wird. Besitzer Thoralf M. posiert auch gern mal mit seinen Jungs für Erinnerungsfotos.
Viele Aktivitäten auch im Internet – Behörden untätig
Erschreckendes fördert ein Blick auf Facebook zu Tage. Hier toben sich die Jung-Nazis völlig ungeniert aus. „Ein jude sollte wie eine lampe sein hängen bei tag und brennen bei nacht“, postet etwa Hannes A. auf seiner Seite. Fast 500 FreundInnen können dies sehen, keiner widerspricht, dutzende meinen „Gefällt mir“. Auf zahlreichen Bildern posieren Neonazis, zeigen offen ihre Einstellung mit einschlägigen Abzeichen. Ein kursierendes Foto zeigt 4 Nazi-Skinheads – darunter besagter Hannes A. – vor Hitlers Geburtshaus posierend. „Die Neonazis fühlen sich völlig sicher“, meint Rammerstorfer, „und tatsächlich haben sie von den Behörden anscheinend nichts zu befürchten. Der Verfassungsschutz hat seine Arbeit mehr oder weniger eingestellt.“
Auch die lokale Polizei zeigt wenig Elan: Ein Antifaschist, der im Internet mehrfach mit Mord bedroht wurde, wurde einfach vertröstet: Das sei zuwenig für eine Anzeige.
Der Braunauer Polizeikommandant Pumberger verkündete am 5.1.2012 auch öffentlich: „Die rechtsradikale Szene im Bezirk Braunau gibt es nicht“ http://nachrichten.at/oberoesterreich/innviertel/braunau/art14857,791905
„Behörden und Politik müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie am rechten Auge blind sind!“, zeigt sich Haslwanter empört, „Angesichts der Gewaltbereitschaft der Braunauer Neonazi-Szene braucht es am Samstag, dem 14. April 2012, einen breiten, gemeinsamen Protest gegen Rechts!“ An diesem Datum findet auch heuer wieder die jährlich stattfindende antifaschistische Demonstration des Bündnis „braunau gegen rechts“ statt. Im vergangenen Jahr wurde dieser friedliche Protest von über 30 Braunauer Neonazis gestört.
Braunauer Neonazis von den “Bulldogs” zeigen Hitlergruß vor dem KZ Mauthausen:

Symbol der Braunauer Kameradschaft „Sturmführerkommando“ (Christoph B. aus Braunau):

Zwei Braunauer Neonazis die ganz offen SS-Symbole zeigen:

Auch Kontakte zum militanten Blood&Honour-Netzwerk scheinen zu existieren:

Harald N. beim zeigen des Hitlergrußes:

Sehr junger Neonazi aus dem Raum Braunau:

Fotos/Beschreibungen ohne Gewähr übernommen von: http://kjoe.at/?p=953
Quelle dieser gemeinsamen Presseaussendung von KJÖ und Infoladen Wels vom 26. Jänner 2012:
http://kvinfoladenwels.wordpress.com/2012/01/26/%E2%80%9Ebraunau-hochburg-gewalttatiger-neonazis
Artikel zum Thema auch hier:
http://www.stopptdierechten.at/2012/01/22/oberndorf-szbg-rechte-gewalt-%E2%80%9Evon-auswarts%E2%80%9C
Artikel zum Innviertel:
http://wp.welsgegenrechts.at/category/innviertelgegenrechts-at
Der Einfluss türkischer RechtsextremistInnen wird zunehmend spürbar – auch in der österreichischen Kommunalpolitik.
Denn die faschistischen „Grauen Wölfe“ buhlen um Sympathien in Österreich:
Sinnigerweise am 1. April luden die christlichen Pfarren in Wels, Oberösterreich, zu einer Integrationsveranstaltung unter dem Motto „Die Zeit des Nebeneinanders ist vorbei“. Von der türkischer Seite sind nur die konservativen Moscheevereine und die faschistischen „Grauen Wölfe“ eingeladen, die liberalen AlevitInnen und andere religiöse Minderheiten fehlten. Die „Grauen Wölfe“ schickten eine eloquente, unverschleierte junge Dame, die den anwesenden christlichen und politischen Größen in bestem Deutsch Honig ums Maul strich. Die Veranstaltung endete in allgemeiner Harmonie.
Auch in der türkischen Stadt Malatya ist „die Zeit des Nebeneinanders vorbei“. Hier schickten die „Grauen Wölfe“ allerdings kein junges Mädchen in den dortigen Bibelverlag, sondern eine Gruppe ihrer Militanten, die dort zwei einheimische und einen deutschen Christen abschlachteten. Die Umstände sind noch nicht restlos geklärt – bisher wurden 20 Verdächtige, „Graue Wölfe“, aber auch Armeeangehörige – festgenommen:
http://www.esiweb.org/pdf/esi_document_id_127.pdf
Mit Massakern aller Art konnten die „Grauen Wölfe“, wie sich die AnhängerInnen der „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP), nennen, in den vergangenen 40 Jahren reichhaltige Erfahrung sammeln. Allein Ende der 70er wurden bei einer wahren Terrorwelle an die 5000 Morde verübt: an SozialistInnen und anderen Linken, JüdInnen, GewerkschafterInnen, FrauenrechtlerInnen und verschiedenen Minderheiten, an KurdInnen und den meist sehr liberal eingestellten AlevitInnen. ChristInnen geraten auch immer wieder in die Schussbahn – so auch Papst Johannes Paul der Zweite, der 1981 bei einem Attentat von drei Kugeln getroffen wurde. Der Täter, Ali Agca, war MHP-Aktivist und hatte bereits zuvor Abdi Ipekci, einen angesehenen Intellektuellen jüdischer Abstammung, ermordet. „Zunehmend wird die christliche Welt als Kollaborateur des grausamen Judentums dargestellt“ attestierte der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfahlen 2009 über die jüngere ideologische Entwicklung der MHP.
Die österreichische AnhängerInnenschaft der „Grauen Wölfe“ konnte in den letzten Jahren ihren Einfluss zunehmend ausbauen. Das liegt zum einen am verstärkten Zulauf durch Jugendliche mit türkischem Migrationhintergrund, die sich angesichts des ihnen entgegenschlagenden Alltagsrassismus mehr und mehr in die eigene Community zurückziehen. Zum anderen werden die Ultra-Nationalisten von der österreichischen Politik sogar gefördert. Dies geschieht zum Teil aus Unwissenheit, zum Teil aber durchaus aus Kalkül: In Linz etwa wurde den Faschisten 2009 sogar das Rathaus für eine Propaganda-Veranstaltung überlassen:
http://kvinfoladenwels.wordpress.com/2009/11/16/der-rote-esel-und-die-grauen-wolfe
Bereits am 1. Mai 2007 marschierten SPÖ und FaschistInnen gemeinsam – allerdings mussten letztere die Party etwas früher verlassen, um den Maiaufmarsch der türkischen und kurdischen Linken anzugreifen – ein 14-jähriges Mädchen wurde durch einen Steinwurf schwer verletzt. Priorität hat für die „Grauen Wölfe“ momentan aber nicht der Kampf auf der Strasse, sondern in den Integrationszentren- und beiräten, in den Bezirks- und Landesschulräten. Hier gilt es sich Geld, Einfluss und das Wohlwollen österreichischer Notabeln zu sichern, und gleichzeitig die Positionen der liberalen, säkularen und linken TürkInnen und KurdInnen zurückzudrängen.
Mit realen Integrationsbemühungen hat das Engagement der „Grauen Wölfe“ und andere nationalistischer Vereine freilich wenig zu tun, im Gegenteil, wie auch der Verfassungsschutz Baden-Würtemberg attestiert:
„Es liegt auf der Hand, dass durch die Zugehörigkeit zu einem Verein dieser Ausrichtung eine Integration in die deutsche Gesellschaft gleichsam unmöglich erscheint, richten sich doch die Ziele der ‚Idealisten‘ nicht nur gegen das friedliche Zusammenleben der Völker, sondern sind gleichzeitig auch als antidemokratisch, antiliberal und antipluralistisch zu werten.“
In österreichischen Verfassungsschutzberichte finden die türkischen Faschisten keine Erwähnung, offenbar ist man zu sehr mit der Überwachung von TierschützerInnen beschäftigt, um sich auch noch dieses Problems anzunehmen. Es gibt aber ein anderes Papier aus dem Innenministerium wo sie auftauchen: Im Suchmittelkriminalität-Jahresbericht 2009 als „politisch motivierte Tätergruppe“ im „Heroingroßhandel“:
http://www.praevention.at/upload/documentbox/Bericht2009.pdf
Dieser Artikel von Thomas Rammerstorfer ist vor 5 Monaten erschienen auf:
http://termit.kritisches-salzburg.net/2011/06/kreide-gefressen-die-faschistischen-%E2%80%9Egrauen-wolfe%E2%80%9C-buhlen-um-sympathien-in-osterreich
Generelle Infos und Kontakt zum Vortrag über die grauen Wölfe gibt es hier:
http://wp.welsgegenrechts.at/2011/01/25/brauntoene-grauewoelfe
Weiteres zu den grauen Wölfen in Wels:
“Ein weiteres Problemfeld, das uns in Zukunft noch viel Freude bereiten wird, sind nationalistische Stimmungen unter MigrantInnen. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass Ethnisierungstendenzen gerade unter dem Druck einheimischer RassistInnen anwachsen. Zudem gibt es häufig militant-nationalistische bzw. religiöse Konflikte in den Herkunftsländern. In Wels äußern sich solche Ansichten etwa in Graffitis bosnischer, albanischer oder tschetschenischer („Chechen Black Wolves“) NationalistInnen.
Die türkischen Faschisten der „Grauen Wölfe“ sind im „Avrasya“-Verein in der Eisenhowerstraße organisiert, eine Abspaltung firmiert seit dem Frühjahr 2011 in der Salzburger Straße. (Dabei handelt es sich nicht um die ATIB, die dort auch ein Lokal hat.)”
http://wp.welsgegenrechts.at/2011/12/06/seit-45-rechtsextremismus-und-neonazismus-in-wels
Fast schon traditionell bildet Wels einen guten Nährboden für rechtsextreme Hetzer. Diese agieren nicht im luftfreien Raum, vielmehr finden sie Unterstützung von nicht unwesentlichen Teilen der Bevölkerung, von Medien, Unternehmern und Politik. Zur Veranschaulichung hilft auch ein Blick auf die historischen Entwicklungen.
(Foto: Nazi-Schmierereien unter der Autobahnbrücke zwischen Wels-West und Schauersberg)
Rechtsextremismus nach ’45
Bereits in der Zwischenkriegszeit hatten die deutschnationalen Parteien in Wels immer überdurchschnittliche Wahlergebnisse von bis zu 30 % erzielt. Nach 1945 blieb die Stärke des „Dritten Lagers“ im oberösterreichischen Zentralraum ungebrochen. Die Nachfolgepartei der Großdeutschen bzw. der NSDAP, der VdU „Verband der Unabhängigen“ (Kandidierte als WdU „Wahlpartei der Unabhängigen“), erreichte bei den Gemeinderatswahlen 1949 in Wels 29,2 % (im Übrigen exakt das selbe Ergebnis wie die FPÖ bei den Wahlen 2009). 1950 beging der VdU in Wels auch seinen ersten „Bundesverbandstag“, was die Bedeutung der Stadt für die Deutschnationalen unterstrich.
Es gelang in den darauf folgenden Jahrzehnten insbesondere der SPÖ den breiten rechten Rand als Wahlvolk zu integrieren – oder auch nur zu konservieren, denn deutschnationale, rassistische und antisemitische Stimmungen blieben weit verbreitet und oft unwidersprochen.
In den 50er bis 70er-Jahren, einer Phase relativer Schwäche des organisierten Rechtsextremismus, entstanden gerade im oberösterreichischen Zentralraum wichtige Gruppen der Ewiggestrigen, wie die „Wohlfahrtsvereinigung der Glasenbacher“ (gegründet 1957 in Linz), der „Dichterstein Offenhausen“ und die „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“ (gegründet 1963 bzw. 1966 in Offenhausen bei Wels), die „Nationaldemokratische Partei“ und der „Witiko-Bund“ (gegründet 1967 bzw. 1971 in Linz). Neben diesen rein rechtsextremen oder gar neonazistischen Gruppierungen konnte die deutschnationale Rechte auch in anderen Bereichen ihren Einfluss erhalten und entfalten, wie dem „Welser Turnverein 1862“ oder den diversen Organisationen der „Heimatvertriebenen“, also der ehemaligen deutschsprachigen Bevölkerung Osteuropas, die ausgesiedelt wurden. Diese „Volksdeutschen“ und deren Nachkommen, etwa 10 % der oberösterreichischen Bevölkerung, kann man sicherlich nicht pauschal ins rechte Eck stellen, doch Antikommunismus und eine Relativierung des Holocausts sind bis heute Konstanten in deren Politik. So bezeichnet etwa der Marchtrenker Anton Ellmer, Landesobmann der Donauschwaben, das jugoslawische Arbeitslager Rudolfsgnad immer wieder als „Auschwitz“.
(Ein bei rund 12 000 Toten in Rudolfsgnad und bis zu 1,5 Millionen Toten in Auschwitz reichlich unangebrachter Vergleich.)
Mit dem „Welsermühle“-Verlag war auch einer der wichtigsten Verleger revisionistischer Literatur im gesamten deutschsprachigen Raum in Wels beheimatet.
Burschen und Bürger
In Wels existiert seit 1922 die „Deutsch-Conservative Semestralverbindung Gothia“, eine „pflichtschlagende“ Burschenschaft. „Ausländer“ und Frauen werden selbstverständlich nicht aufgenommen, dafür sind eine Reihe „honoriger“ Bürger von Wels und Umgebung dabei – derzeit prominentester „Alter Herr“ dürfte FP-Landeschef Manfred Haimbuchner sein. Ein anderer Gothia-Promi war der 2006 verstorbene Welser Rechtsanwalt Gernot Kusatz, der immer wieder mit rechtsextremen Sprüchen, auch als FPÖ-Kandidat, von sich reden machte. Weiters hatte die „Gothia“ auf ihrer Homepage einen Link zum neonazistischen Nationalen Info Telefon (NIT) gelegt und bezeichnete es als „bestes tägliches Informationsmedium für Querdenker!“.
http://doew.at/projekte/rechts/chronik/2002_03/oepr.html
Skins und Hools
Skinheads tauchten Mitte der 80er-Jahre in Wels auf. Von Beginn an waren deren Freizeitaktivitäten eng mit dem Fußball verknüpft, insbesondere der Anhängerschaft von Rapid Wien. 1992 wurde der „Rapid Club Wels“ gegründet, der fallweise an die 30 Personen zu Fanfahrten mobilisieren konnte. Nazi-Skinheads vor allem aus der Vogelweide dominierten das Erscheinungsbild der Gruppe, der aber auch unpolitische Fußballfans und Hooligans angehörten. Nebenbei entstand ein umtriebiges Hobby-Fußballteam, der FC Walvater Wotan (benannt nach einem Song der Neonaziband „Landser“), später FC Wotan Wels. Um 2004 kam es zu immer mehr Problemen mit den Rapid Ultras, die schließlich die rechtsextremen Welser nicht mehr duldeten. Kurze Zeit formierte man noch als „Club Wels“. Nach der Auflösung der rechtsradikalen „Braunauer Bulldogs“ 2006, die eng mit der Welser Rapid-Szene verbunden waren, wurde es endgültig ruhig um den „Club“.
Das Ende des „Rapid Clubs“ bedeutete jedoch keineswegs ein Ende rechtsextremer Aktivitäten der Vogelweider Neonazi-Zusammenhänge. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein gewachsenes und lokal etabliertes Milieu, das trotz zahlreicher Straftaten niemals einer wirklichen Repression ausgesetzt war. Zu den schwerwiegendsten Verbrechen aus den Kreisen der Vogelweider zählten der Brandanschlag 1997 in der Porzellangasse mit 1 Totem und zahlreichen Verletzten sowie unzählige Übergriffe auf Linke und MigrantInnen. Zuletzt waren Rechtsextreme aus diesem Umfeld im Juli 2011 an einer Gewaltorgie in der Innenstadt beteiligt, die etwa acht z. T. schwer Verletzte forderte. Politische Zusammenhänge werden seitens der Polizei routiniert geleugnet: http://wp.welsgegenrechts.at/2011/07/
Bunte und Braune
Trotz einzelner Gewaltexzesse: Mit zunehmendem Alter der AktivistInnen wurden die Gewalttaten der Vogelweider Gruppe eher weniger, und man versuchte sich legal zu organisieren. 2008 wurde eine Verein gegründet, die WWA „White Wolfes Austria“ (Rechtschreibfehler im Original), der insbesondere „gegen Kinderschänder“ aktiv werden wollte. Über Trinkorgien und Jubelfahrten zu Strache-Kundgebungen kamen die WWA allerdings nicht hinaus, 2010 wurde der Verein aufgelöst. Ein Teil der „White Wolfes“ tauchte 2009 auf der KandidatInnenliste der „Bunten“ auf. Diese wurden 2003 vom alt gedienten Welser Rechtsaktivisten Ludwig Reinthaler und dem ehemaligen VP-Gemeinderat Johannes Naderhirn gegründet. Kandidierten 2003 noch überwiegend PensionistInnen für die Liste, konnte Reinthaler 2009 den mit Abstand jüngsten Wahlvorschlag einbringen, was anschaulich die gelungene Blutauffrischung der rechtsextremen Szene zeigte. Ein weiteres Novum: Rund die Hälfte der KandidatInnen entstammten dem Skinhead-Milieu. Nie zuvor hatten sich österreichische Skinheads in solchen Ausmaß „parteipolitisch“ betätigt – oder auch wiederbetätigt, an was die Kandidatur letztendlich scheitern sollte.
Diese sei nämlich „als – von der Verfassungsrechtsordnung verpönte – unzulässige Akte national-sozialistischer Wiederbetätigung zu werten“, heißt es in der VfGH-Erkenntnis. Bis zum Welser Staatsanwalt Haas ist diese jedoch nicht durchgedrungen: Das Verfahren wegen NS-Wiederbetätigung wurde im Sommer 2011 eingestellt. Mit weiteren Aktivitäten aus dem Reinthaler bzw. Vogelweider Neonazi-Milieu ist zu rechnen.
VfGh-Urteil: http://wp.welsgegenrechts.at/2010/03/05
Durchaus sich vor Gericht verantworten muss sich die „Nationale Volkspartei“, die 2009 gemeinsam mit Reinthaler auch in Wels Unterstützungserklärungen sammelte. Eine solcher erhielten sie auch vom Welser FP-Vize Bernhard Wieser, der offenbar eine besonders hohe Toleranzschwelle besitzt. Seine FPÖ-Parteigenossen aus Enns hatten die NVP in einer Aussendung als „braune Zecken“ bezeichnet: http://www.fpoe-enns.at/wahl/nvp.htm
Zwischen Wels und Linz
Zunehmend wird jugendlicher Rechtsextremismus ein Problem ländlicher Gegenden. Neben dem Innviertel sind das in Oberösterreich vor allem die Orte zwischen Wels und Linz. Schon sämtliche Kader des „Bund Freier Jugend“ kamen aus diesen Orten: Marchtrenk, Weißkirchen, Leonding und Traun. In St. Marien erscheint das „Inter-Info“ von Margit Steinwender, das mitsamt eigenem Bücherdienst auch gern in rechtsextremen Postillen für seine Verschwörungstheorien wirkt. Verschwörungstheorien haben es auch der Unternehmensberater Gerhoch Reisegger aus Thalheim bei Wels angetan, er veröffentlichte zahlreiche davon und gilt laut dem Norddeutschen Rundfunk als „Größe der Neonaziszene“ (Sendung Panorama, 27. 1. 2005). Die Wiener Zeitschrift Context XXI verortete ihn zwischen Welser „High Society und Naziszene“: http://ns-ooe.contextxxi.at/item2.html
Zwischen Wels und Linz steht auch noch das Schloss Hochscharten der Welser Industriellen Robert Wimmer, als „Freundeskreis für Kultur- und Zeitgeschichte“ Schulungsort der rechtsextremen Szene. Dessen Obmann bis 2008 war der spätere Spitzenkandidat der obskuren Anti-EU-Liste RETTÖ, Wilfried Auerbach, aus Weißkirchen an der Traun. Dort gibt es jedes Jahr die „Traungauer Volkstanztage“ des Rene Lang, alt gedienter Aktivist der VAPO, AfP und BfJ… und so könnte man noch eine Zeitlang dahin schreiben; wohl kaum eine Gegend Österreichs weist eine ähnliche Dichte rechter Promis auf.
Robert Wimmer war in der 90ern auch verwickelt in die “Stammtischaffäre” mit Ex-Bürgermeister Karl Bregartner und seinem Assistenten Hermann Wimmer – in Verbindung mit den “Braunen Flecken” in Wels: http://www.slp.at/artikel+M56c961412c2.html
http://www.antifa.at/berichte/Pelinka.pdf
Graue Wölfe und Schwarze Wölfe
Ein weiteres Problemfeld, das uns in Zukunft noch viel Freude bereiten wird, sind nationalistische Stimmungen unter MigrantInnen. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass Ethnisierungstendenzen gerade unter dem Druck einheimischer RassistInnen anwachsen. Zudem gibt es häufig militant-nationalistische bzw. religiöse Konflikte in den Herkunftsländern. In Wels äußern sich solche Ansichten etwa in Graffitis bosnischer, albanischer oder tschetschenischer („Chechen Black Wolves“) NationalistInnen. Die türkischen Faschisten der „Grauen Wölfe“ sind im „Avrasya“-Verein in der Eisenhowerstraße organisiert, eine Abspaltung firmiert seit dem Frühjahr 2011 in der Salzburger Straße. (Dabei handelt es sich nicht um die ATIB, die dort auch ein Lokal hat.) 2011 waren die „Grauen Wölfe“ auch auf mehreren offiziellen Integrationsveranstaltungen zu Gast.
http://wp.welsgegenrechts.at/2011/12/23/kreide-gefressen-faschistische-graue-wolfe-in-wels
Einblicke und Ausblicke
Auch in dem Bewusstsein, das sich die „Bunten“ als nützliche Idioten in die Schlammschlacht gegen Dr. Koits warfen, konnte die Welser FPÖ 2009 seriös auftreten und so weit über ihre Stammmillieus frustrierter RassistInnen hinaus punkten. Massive Schützenhilfe wurde ihr dabei auch von der Welser Medienlandschaft – oder besser Medienwüste – zuteil, deren inhaltlicher Konsens sich mit „SPÖ bashen, FPÖ pushen“ zusammenfassen lässt. Problematisch sind auch die „Verhaberungen“, die sich quer durch die Parteienlandschaft bis ins braune Eck ziehen. Die „Bunten“ brüsteten sich gerne mit ihren Kontakten zur ÖVP und – wenig verwunderlich – FPÖ.
„Enge Kontakte von R. und der Liste ‘Die Bunten’ hat (…) mit der ÖVP gegeben, hier wurde mit Frau Eisenrauch, der Bürgermeisterkandidatin der ÖVP[,] schon im Vorfeld besprochen, dass L. R. sie bei einer allfälligen Bürgermeisterstichwahl gegen Dr. Koits unterstützen könnte. Auch zur FPÖ bestanden Kontakte.“, Stellungnahme der „Bunten“, siehe Entscheidung des Vfgh vom 5. 3. 2010:
http://wp.welsgegenrechts.at/2010/03/05
Ein „Cordon sanitaire“ zwischen DemokratInnen und FaschistInnen existiert nicht. So wächst das braune Unkraut in Wels zwar noch nicht in den Himmel, aber es ist gut verwurzelt und wird regelmäßig gedüngt. Umso notwendiger ist antifaschistische Wühlarbeit.
Text aus dem “Antifa Forum 2011″, der Welser Initiative gegen Faschismus.
Genau an der Bahnstrecke zwischen Wels und dem Innviertel gelegen fällt das Wurmfestival normal eher durch grimmige Security mit Hunden, einen Literpreis von 7,50 € für Trinkwasser und einem Überangebot an sich günstig aufopfernden Bands auf. Diesmal stachen in der alten Lederfabrik Neumarkt-Kallham aber auch folgende Sticker ins Auge:
Zwei ZeugInnen der SJ Wels können bestätigen, dass dieser und ein “Anti-EU”-Sticker mindestens 20fach am Gelände herumlagen bzw. aufgeklebt waren. Warum kann bei einem großen Rockfestival in OÖ ungehindert Rechtsextremismus verbreitet werden?
Ein Besucher meinte dazu, die Securities zu fragen würde eher nach hinten los gehen. Schließlich wachte am Gelände und am Bahnhof die Firma “SECO”.
Da kommt einem ein rechter “Sicherheits”-Mann in den Sinn, der offensichtlich bei “SECO” arbeitet(e) und in Facebook schon mal folgendes von sich gibt:
“Ich mag Adolf und sein Reich Alle Juden sind mir gleich Ich mag Skinheads und SA Türken klatschen ist doch klar Ich mag Fußball auf den Rasen Die SS wenn sie gasen Ja all das mag ich NSD NSD NSDAP SIEG HEIL”
(Fehler im Original)
Ohne weiter über Securtiy-Firmen als Unterschlupf für Nazis zu reden, muss die Frage gestellt werden:
Wie steht der Veranstalter von Wurmfestival, Pressure (beide in Neumarkt), Noize (in Linz) und Rockarena (in Wels) Herr Thomas Stelzhammer aus Hofkirchen zu seiner Verantwortung gegenüber seinen jugendlichen BesucherInnen?
Schließlich sollte gerade auf “alternativen” Festivals fremdenfeindliche Hetze keinen Raum bekommen!
Kontakt zum Veranstalter: http://www.wurmfestival.at/impressum.html
(Quelle für das Foto mit “SECO”-Weste und das Zitat: http://rfjwatch.wordpress.com/2011/08/15/sicherheit-durch-braunlinge)
[Kontakt & mehr Infos sollten sich bei Vortragenden selbst finden: brauntoene.at]
Fakten statt Vorurteile - Argumente gegen Hetze
Ein neuer Vortrag für Jugendliche, der ursrpünglich für eine Lehrlingsversammlung der Gewerkschaftsjugend zusammengestellt wurde, bestehend aus 2 Teilen:
1. Was ist Rechtsextremismus? Begriffserklärung und Geschichte.
2. Migration und Integration. Fakten zur Migrationsgeschichte Österreichs und zur aktuellen Situation.
Dauer ca. eine Stunde, Anfragen an thomas.rammerstorfer@gmx.at
Infos zu den anderen AntiFa-Vorträgen
- Brauntöne – rechtsextreme Musik,
- Graue Wölfe – Rechtsextremismus aus der Türkei,
- Oberösterreich ganz Rechts,
finden sich auf http://wp.welsgegenrechts.at/category/antifa-vortrage/
Der Vortrag über “Rechtsextremismus auf der Türkei” von Thomas Rammerstorfer findet am
Freitag, dem 4. März, ab 19:00
im MedienKulturHaus Wels, Pollheimerstr. 17, statt.
Näheres zum Thema Geschichte und Organisation der türkischen Faschisten in Österreich auf:
http://wp.welsgegenrechts.at/2011/01/25/brauntoene-grauewoelfe/
Facebook-Event dieser Veranstaltung von AKS, DIDF-Jugend, Infoladen und SJ:
http://facebook.com/event.php?eid=198313166853935
Direkt vorher schon um 18:00 gibts übrigens im MKH die Besprechung:
“Was tun gegen das kommende Bettelverbot in Wels/OÖ?”
Außerdem kann man am Freitag und beim “politischen Aschermittwoch mit Ute Bock” am 9. März um 18:30 Soundtheatre Wels, Stelzhamerstraße 9, (http://facebook.com/event.php?eid=129521553785097) das Buch “ZusammenReden” über Integrationsdebatten in österreichischen Städten und Gemeinden erwerben: http://www.vereinalltagverlag.at/de/bucher/get/77332/







